Vielleicht war es kein Verlust. Vielleicht war es eine neue Richtung.
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Vielleicht war es kein Verlust. Vielleicht war es eine neue Richtung.
Über Menschen, die gehen, Pläne, die scheitern, und die merkwürdige Angewohnheit, allem im Nachhinein einen Sinn geben zu wollen.
Benjamin Trinidad Segura
4 Min. Lesezeit
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Es gibt diesen einen Gedanken, den ich gleichzeitig unglaublich beruhigend und ziemlich gefährlich finde:
Vielleicht passiert alles aus einem bestimmten Grund.
Ein Mensch verlässt dein Leben. Ein Job funktioniert nicht. Eine Beziehung scheitert. Eine Gelegenheit, auf die du lange hingearbeitet hast, verschwindet plötzlich.
Und irgendwann, manchmal Monate oder Jahre später, blickst du zurück und denkst dir: Vielleicht war es besser so.
Vielleicht hätte ich diesen anderen Menschen nie kennengelernt. Vielleicht wäre ich nie auf diese Idee gekommen. Vielleicht hätte ich nie den Mut gefunden, etwas zu verändern.
Vielleicht musste es genau so kommen.
Aber musste es das wirklich?
Ich finde diese Frage interessant, weil sie ziemlich viel darüber verrät, wie wir Menschen mit Dingen umgehen, die wir nicht kontrollieren können.
Wir wollen verstehen, warum etwas passiert. Vor allem dann, wenn es wehtut.
Und vielleicht liegt genau darin das Problem.
Wir sind so sehr damit beschäftigt, unserem Leben rückblickend eine logische Geschichte zu geben, dass wir manchmal vergessen, wie viel davon eigentlich Zufall war.
Nicht jeder Mensch, der uns verlässt, war automatisch schlecht für uns. Nicht jede Absage war eine versteckte Chance. Und nicht jede schmerzhafte Erfahrung musste passieren, damit wir daran wachsen.
Manchmal verlieren wir einfach etwas, das uns wichtig war.
Manchmal treffen Menschen Entscheidungen, die wir nicht verstehen.
Und manchmal funktioniert etwas nicht, obwohl wir alles richtig gemacht haben.
Trotzdem glaube ich, dass in diesem Gedanken etwas unglaublich Wertvolles steckt.
Nur vielleicht an einer anderen Stelle, als wir zunächst vermuten.
Was wäre, wenn nicht alles aus einem bestimmten Grund passiert, sondern wir selbst entscheiden können, was wir aus dem machen, das passiert ist?
Das ist für mich ein gewaltiger Unterschied.
Im ersten Fall vertrauen wir darauf, dass irgendwo ein großer Plan existiert, den wir gerade nur noch nicht verstehen.
Im zweiten Fall übernehmen wir selbst einen Teil der Verantwortung dafür, wie unsere Geschichte weitergeht.
Und das bedeutet nicht, dass wir für alles verantwortlich sind, was uns widerfährt.
Aber vielleicht dafür, was wir daraus machen.
Ich kann nicht kontrollieren, ob jemand in meinem Leben bleibt. Ich kann nicht verhindern, dass ich enttäuscht werde. Ich kann nicht garantieren, dass meine Entscheidungen immer zum gewünschten Ergebnis führen.
Was ich allerdings beeinflussen kann, ist, ob ich diesen Erfahrungen irgendwann erlaube, mehr zu sein als nur ein schmerzhaftes Kapitel meiner Vergangenheit.
Vielleicht lerne ich etwas daraus. Vielleicht ändere ich meine Perspektive. Vielleicht entscheide ich mich beim nächsten Mal anders.
Und vielleicht passiert auch erst einmal gar nichts davon.
Vielleicht bin ich einfach nur enttäuscht, traurig oder wütend.
Auch das darf sein.
Denn ich finde, wir haben uns gesellschaftlich ziemlich daran gewöhnt, aus jeder negativen Erfahrung möglichst schnell etwas Positives machen zu müssen.
Eine Trennung wird zur Selbstfindung. Eine Kündigung zum Neuanfang. Ein gescheitertes Projekt zur wertvollen Lektion.
Das kann alles stimmen.
Aber es muss nicht sofort stimmen.
Manchmal braucht er einfach Zeit.
Und manchmal jemanden, der versteht, dass gerade etwas wirklich beschissen ist.
Sondern erst durch das, was wir irgendwann daraus machen.
Ich glaube deshalb nicht unbedingt daran, dass jeder Mensch, der mein Leben verlässt, gehen sollte.
Oder dass jede verpasste Gelegenheit eigentlich eine gute Sache war.
Aber ich glaube daran, dass mein Leben nicht automatisch schlechter werden muss, nur weil etwas anders gekommen ist, als ich es mir vorgestellt habe.
Und vielleicht ist das sogar der schönere Gedanke.
Dass unser Leben nicht von Anfang an vollständig geplant sein muss, um am Ende trotzdem eine Geschichte zu ergeben.
Eine Geschichte mit Umwegen, falschen Entscheidungen, Zufällen, Begegnungen, Verlusten und Momenten, die wir niemals hätten vorhersehen können.
Aber vielleicht können wir dafür sorgen, dass nicht alles umsonst war.
Und ich glaube, damit kann ich ziemlich gut leben.
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