Sei kritisch mit mir. Aber erkenne auch an, wenn ich etwas gut mache.
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Sei kritisch mit mir. Aber erkenne auch an, wenn ich etwas gut mache.
Wir sind oft schnell darin, Fehler zu erkennen und Risiken aufzuzeigen. Aber warum fällt es uns manchmal so schwer, Fortschritte anzuerkennen? Über ehrliche Kritik, fehlenden Zuspruch und die Frage, warum wir Menschen häufig erst dann Anerk
Benjamin Trinidad Segura
6 Min. Lesezeit
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Ich möchte keine Menschen um mich herum, die mir nach dem Mund reden.
Ich möchte Menschen, die mich hinterfragen. Die meine Gedanken herausfordern. Die mir widersprechen, wenn sie glauben, dass ich falschliege.
Menschen, die mir sagen, wenn meine Ideen nicht durchdacht sind. Wenn ich etwas übersehe. Wenn ich mich verrenne.
Denn ich glaube, dass wir genau solche Menschen brauchen, um uns weiterzuentwickeln.
Aber manchmal wünsche ich mir auch etwas anderes.
Manchmal möchte ich einfach hören:
„Das hast du gut gemacht.“
Nicht, weil ich nach Komplimenten suche.
Nicht, weil ich Bestätigung für jede meiner Entscheidungen brauche.
Sondern weil es schön ist, wenn jemand erkennt, was man versucht, wie viel Arbeit dahintersteckt und welche Fortschritte man bereits gemacht hat.
Auch wenn man noch lange nicht am Ziel angekommen ist.
Abschnitt / 12
Kritik und Anerkennung schließen sich nicht aus.
Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir Menschen so sehr darauf bedacht sind, andere vor Fehlern zu bewahren, dass wir vergessen, ihre Fortschritte wahrzunehmen.
Wir erkennen schnell, was noch nicht funktioniert.
Was besser sein könnte.
Welche Risiken bestehen.
Warum etwas möglicherweise scheitern wird.
Und manchmal haben wir mit all diesen Bedenken sogar recht.
Aber warum fällt es uns dann so schwer, gleichzeitig zu sagen:
„Ich sehe, wie viel Mühe du dir gibst. Und ich finde, du entwickelst dich in die richtige Richtung.“
Das eine macht das andere doch nicht weniger wahr.
Jemand kann eine gute Idee haben, obwohl sie noch nicht ausgereift ist.
Jemand kann Fortschritte machen, obwohl er noch Fehler begeht.
Jemand kann auf einem guten Weg sein, obwohl niemand weiß, wohin dieser Weg tatsächlich führt.
Und jemand kann Anerkennung verdienen, obwohl er noch nichts erreicht hat, was andere als Erfolg bezeichnen würden.
Abschnitt / 26
Warum warten wir manchmal, bis jemand erfolgreich ist?
Ich arbeite seit über zwölf Jahren daran, meine eigenen Vorstellungen und Träume zu verwirklichen.
Ich habe gezweifelt, neu angefangen, Dinge verworfen und wieder versucht, einen anderen Weg zu finden.
Und natürlich gab es Menschen, die meine Ideen kritisch gesehen haben.
Das ist in Ordnung.
Niemand ist verpflichtet, meine Begeisterung zu teilen.
Niemand muss von meinen Plänen überzeugt sein.
Aber manchmal hätte ich mir gewünscht, dass jemand nicht nur meine Ideen betrachtet, sondern auch den Menschen dahinter.
Jemanden, der es immer wieder versucht.
Der dazulernt.
Der sich entwickelt.
Der trotz aller Unsicherheiten an etwas arbeitet, das ihm wichtig ist.
Nicht mit den Worten:
„Das wird garantiert funktionieren.“
Sondern vielleicht einfach mit:
„Ich weiß nicht, ob du es schaffen wirst. Aber ich sehe, wie viel du dafür tust. Und ich traue dir zu, dass du etwas daraus machen kannst.“
Manchmal hätte das schon gereicht.
Abschnitt / 43
Anerkennung nach dem Erfolg ist leicht.
Wenn jemand irgendwann erfolgreich ist, finden sich oft Menschen, die gratulieren.
Die sagen, dass sie es schon immer gewusst haben.
Dass sie immer an diese Person geglaubt haben.
Vielleicht stimmt das manchmal sogar.
Aber ich frage mich:
Warum fällt es uns so viel leichter, an Menschen zu glauben, wenn sie bereits bewiesen haben, dass wir damit richtigliegen?
Ist das dann überhaupt noch Vertrauen?
Oder erkennen wir lediglich ein Ergebnis an, das mittlerweile für alle sichtbar geworden ist?
Für mich bedeutet Vertrauen auch, jemandem etwas zuzutrauen, obwohl der Ausgang noch ungewiss ist.
Nicht blind.
Nicht bedingungslos.
Aber mit der Bereitschaft, im anderen Menschen mehr zu sehen als seine bisherigen Ergebnisse.
Denn die Menschen, die uns auf unserem Weg unterstützen, erleben häufig etwas, das diejenigen verpassen, die erst am Ziel dazukommen.
Sie erleben unsere Entwicklung.
Und manchmal tragen sie sogar dazu bei.
Abschnitt / 59
Nicht jede Kritik ist Unterstützung.
Ich möchte Kritik nicht schlechtreden.
Ganz im Gegenteil.
Ich bin überzeugt davon, dass ehrliche Kritik eine Form von Wertschätzung sein kann.
Wenn sich jemand Zeit nimmt, meine Gedanken zu verstehen, mögliche Fehler erkennt und mir dabei helfen möchte, bessere Entscheidungen zu treffen, dann ist das wertvoll.
Aber nicht alles, was als Kritik bezeichnet wird, ist automatisch hilfreich.
Es gibt einen Unterschied zwischen:
„Ich sehe hier ein Problem. Lass uns überlegen, wie du es lösen kannst.“
Und:
„Das wird sowieso nichts.“
Zwischen:
„Hast du diese Möglichkeit bedacht?“
Und:
„Du überschätzt dich.“
Zwischen:
„Ich glaube, du solltest deinen Ansatz überdenken.“
Und:
„Sei doch mal realistisch.“
Nicht jede kritische Bemerkung ist konstruktiv, nur weil sie sich auf die Realität beruft.
Und nicht jede Form von Zuspruch ist naiv, nur weil sie Hoffnung vermittelt.
Abschnitt / 80
Vielleicht sollten wir öfter aussprechen, was wir an anderen sehen.
Vielleicht gibt es in deinem Umfeld gerade jemanden, der seit Jahren an etwas arbeitet.
Jemanden, der ein Unternehmen gründen möchte.
Der eine Ausbildung macht.
Der versucht, sein Leben zu verändern.
Der nach einem Rückschlag wieder aufsteht.
Oder jemanden, der einfach jeden Tag versucht, ein bisschen besser mit sich und seinem Leben zurechtzukommen.
Vielleicht siehst du bei dieser Person Dinge, die sie selbst längst nicht mehr wahrnimmt.
Ihre Entwicklung.
Ihre Ausdauer.
Ihre Kreativität.
Ihre Bemühungen.
Vielleicht denkst du dir manchmal sogar:
„Ich finde beeindruckend, wie sehr dieser Mensch für etwas kämpft.“
Aber hast du es ihr schon einmal gesagt?
Nicht erst, wenn sie erfolgreich ist.
Nicht erst, wenn sie aufgibt.
Nicht erst, wenn sie dich fragt, ob du überhaupt an sie glaubst.
Sondern einfach so.
Weil du es wirklich so empfindest.
Abschnitt / 100
Ich brauche keine Menschen, die alles gut finden, was ich mache.
Ich brauche Menschen, die ehrlich mit mir sind.
Die mir widersprechen können.
Die meine Entscheidungen hinterfragen.
Die mich auf Fehler aufmerksam machen.
Aber ich wünsche mir auch Menschen, die erkennen, wenn etwas gelingt.
Die Fortschritte sehen, auch wenn sie klein sind.
Die sich mit mir freuen können, ohne sofort erklären zu müssen, was alles noch schiefgehen könnte.
Und die mir gelegentlich sagen:
„Ich sehe, was du da gerade aufbaust. Und ich finde, darauf kannst du stolz sein.“
Nicht aus Mitleid.
Nicht aus Höflichkeit.
Nicht, weil ich danach gefragt habe.
Sondern weil sie es wirklich so sehen.
Denn manchmal brauchen wir keine neue Perspektive, keinen weiteren Verbesserungsvorschlag und keine zusätzliche Risikoanalyse.
Manchmal brauchen wir einfach jemanden, der sieht, wie weit wir bereits gekommen sind.
Und uns daran erinnert.
Mein Gedanke zum Schluss
Vielleicht sollten wir aufhören, Kritik und Anerkennung als Gegensätze zu betrachten.
Wir müssen uns nicht entscheiden, ob wir jemanden herausfordern oder unterstützen.
Wir können beides.
Wir können Menschen auf ihre Fehler aufmerksam machen und gleichzeitig ihre Stärken anerkennen.
Wir können ihre Ideen hinterfragen und trotzdem an ihre Fähigkeiten glauben.
Wir können Risiken benennen und trotzdem Hoffnung vermitteln.
Wir können ihnen widersprechen und uns trotzdem mit ihnen freuen.
Denn jemanden ernst zu nehmen bedeutet nicht, ausschließlich das zu sehen, was er noch verbessern muss.
Es bedeutet auch, anzuerkennen, was er bereits geschafft hat.
Und vielleicht sollten wir damit nicht warten, bis andere Menschen erfolgreich sind.
Vielleicht brauchen sie unsere Anerkennung gerade jetzt.
Während sie noch versuchen, ihren Weg zu finden.
Sei kritisch mit mir. Aber erkenne bitte auch an, wenn ich etwas gut mache.
Ich glaube, das ist gar nicht so viel verlangt.
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