Du kannst ein Spiel nicht gewinnen, dessen Regeln andere bestimmen.
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Du kannst ein Spiel nicht gewinnen, dessen Regeln andere bestimmen.
Wir versuchen, Erwartungen zu erfüllen, die sich gegenseitig widersprechen. Vielleicht liegt das Problem nicht darin, dass wir das Spiel verlieren. Sondern darin, dass wir glauben, es überhaupt gewinnen zu müssen.
Benjamin Trinidad Segura
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Abschnitt / 01
Egal was du tust.
Es gibt Menschen, die werden dich kritisieren, weil du zu viel arbeitest.
Andere werden dich kritisieren, weil du zu wenig arbeitest.
Manche werden dir vorwerfen, dass du deine Zeit verschwendest, während andere der Meinung sind, dass du dein Leben nicht ausreichend genießt.
Wenn du deine Meinung äußerst, wirst du Menschen finden, die dir widersprechen.
Wenn du schweigst, werden andere dir vorwerfen, dass du keine Haltung zeigst.
Wenn du etwas Neues ausprobierst, riskierst du zu scheitern.
Wenn du nichts ausprobierst, riskierst du, irgendwann zu bereuen, es nie versucht zu haben.
Und irgendwo dazwischen versuchen wir, Entscheidungen zu treffen, mit denen möglichst viele Menschen einverstanden sind.
Aber ist das überhaupt möglich?
Abschnitt / 11
Wir spielen nach Regeln, die niemand festgelegt hat.
Interessanterweise müssen uns andere Menschen nicht einmal persönlich kritisieren, damit ihr Urteil Einfluss auf unsere Entscheidungen nimmt.
Manchmal reicht bereits die Vorstellung davon, was sie denken könnten.
Wir überlegen, ob wir etwas veröffentlichen sollen.
Ob wir diesen Beruf wirklich ausüben möchten.
Ob wir ein Unternehmen gründen sollten.
Ob wir eine ungewöhnliche Entscheidung treffen dürfen.
Und noch bevor wir überhaupt gehandelt haben, sitzen in unserem Kopf bereits Menschen, die unsere Entscheidung kommentieren.
Einige davon kennen wir.
Andere haben wir noch nie getroffen.
Trotzdem geben wir ihnen eine Stimme.
Manchmal sogar eine lautere als unserer eigenen.
Aber warum dürfen Menschen über unsere Entscheidungen mitbestimmen, deren Konsequenzen ausschließlich wir selbst tragen müssen?
Abschnitt / 24
Nicht jede Kritik ist falsch. Aber auch nicht jede Kritik ist relevant.
Es wäre einfach, daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass uns die Meinungen anderer Menschen grundsätzlich egal sein sollten.
Ich halte das für einen Fehler.
Denn andere Perspektiven können wertvoll sein.
Menschen können Dinge erkennen, die wir übersehen. Sie können unsere Überzeugungen hinterfragen, uns auf Fehler aufmerksam machen oder uns dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen.
Nicht jede unangenehme Meinung ist deshalb automatisch eine schlechte Meinung.
Und nicht jede Zustimmung ist automatisch eine gute.
Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung darin, unterscheiden zu lernen.
Zwischen Menschen, die uns verstehen wollen, und Menschen, die uns lediglich beurteilen.
Zwischen Kritik, die uns weiterbringen kann, und Kritik, die lediglich persönliche Vorstellungen darüber ausdrückt, wie ein anderer Mensch leben sollte.
Und zwischen einem berechtigten Einwand und einer Erwartung, die wir niemals erfüllen mussten.
Abschnitt / 36
Wenn wir versuchen, allen gerecht zu werden, wem werden wir dann eigentlich gerecht?
Vielleicht ist das Paradoxe an unserem Wunsch nach Anerkennung, dass wir uns dabei manchmal selbst aus den Augen verlieren.
Wir möchten als erfolgreich gelten.
Als vernünftig.
Als sympathisch.
Als verantwortungsbewusst.
Als ambitioniert, aber bitte nicht überheblich.
Als selbstbewusst, aber bitte nicht arrogant.
Als unabhängig, aber bitte nicht egoistisch.
Wir sollen mutig sein, solange wir keine Fehler machen.
Wir sollen unsere Träume verfolgen, solange sie gesellschaftlich nachvollziehbar bleiben.
Und wir sollen authentisch sein, solange unsere Authentizität niemanden irritiert.
Dabei übersehen wir möglicherweise etwas Entscheidendes:
Wir können nicht gleichzeitig die Erwartungen aller anderen erfüllen und erwarten, dabei immer unseren eigenen Vorstellungen treu zu bleiben.
Nicht, weil andere Menschen grundsätzlich falschliegen.
Sondern weil unterschiedliche Menschen unterschiedliche Vorstellungen von einem richtigen Leben haben.
Und diese Vorstellungen widersprechen sich manchmal.
Abschnitt / 53
Vielleicht geht es gar nicht darum, das Spiel zu gewinnen.
Was wäre, wenn wir aufhören würden, jede Entscheidung danach zu beurteilen, wie andere Menschen darauf reagieren könnten?
Nicht aus Trotz.
Nicht aus Gleichgültigkeit.
Und auch nicht aus der Überzeugung heraus, dass wir selbst immer recht haben.
Sondern weil wir akzeptieren, dass Zustimmung keine verlässliche Maßeinheit für die Richtigkeit unserer Entscheidungen ist.
Ein Mensch kann uns kritisieren, obwohl wir etwas richtig gemacht haben.
Ein anderer kann uns applaudieren, obwohl wir gerade einen Fehler begehen.
Die Reaktion unseres Umfelds verrät uns deshalb nicht zwangsläufig, ob wir auf dem richtigen Weg sind.
Vielleicht sollten wir uns häufiger andere Fragen stellen.
Warum möchte ich diese Entscheidung treffen?
Welche Konsequenzen bin ich bereit zu tragen?
Entspricht das meinen Werten?
Bin ich bereit, meine Meinung zu ändern, wenn ich neue Erkenntnisse gewinne?
Und würde ich mich genauso entscheiden, wenn niemand davon erfahren würde?
Denn möglicherweise beginnt ein selbstbestimmtes Leben nicht dort, wo uns die Meinungen anderer Menschen egal werden.
Sondern dort, wo wir lernen, sie einzuordnen.
Abschnitt / 70
Du musst nicht gewinnen.
Vielleicht werden Menschen deine Entscheidungen niemals vollständig verstehen.
Vielleicht werden einige sie kritisieren.
Andere werden sie bewundern.
Wieder andere werden sich überhaupt nicht dafür interessieren.
Und manchmal werden Menschen ihre Meinung über dich verändern, ohne dass du selbst etwas verändert hast.
Das alles gehört zum Zusammenleben.
Wir bewerten andere Menschen schließlich ebenfalls. Manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Und sicherlich nicht immer gerecht.
Es geht deshalb nicht darum, sich über die Meinungen anderer zu erheben.
Sondern darum, ihnen nicht automatisch mehr Bedeutung zu geben als der eigenen Überzeugung.
Wir dürfen zuhören, hinterfragen und dazulernen.
Wir dürfen Fehler machen und unsere Entscheidungen korrigieren.
Und wir dürfen unseren eigenen Weg gehen, selbst wenn andere einen anderen gewählt hätten.
Vielleicht musst du ein Spiel, das du nicht gewinnen kannst, gar nicht erst mitspielen.
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